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Grundsätze des Vikariates

Wenn Sie auf dem Weg sind, Pastorin oder Pastor zu werden, sind wir für Sie eine gute Adresse.
Als Ausbilder und Ausbilderinnen des Predigerseminars haben wir die Aufgabe, Sie auf diesen Beruf so gut wie möglich vorzubereiten. Dafür setzen wir besondere Akzente in der Ausbildung, die auch über die Grenzen von Nordelbien hinaus seit über 25 Jahren als "Preetzer Modell" bekannt ist. Vieles hat sich in diesem Zeitraum verändert, aber einiges Grundlegende hat nach wie vor Bestand. Zu den Besonderheiten zählen nicht nur die drei Räume pastoralen Lernens, sondern auch die Handlungsorientierung unserer Ausbildung sowie der kontinuierliche Wechsel von Aktion und Reflexion in der Arbeit. Die Bildung Ihres persönlichen Berufsprofils im Prozess des Vikariates liegt uns besonders am Herzen.

       Geist Aktion Reflexion Person Prozess

 

Aktion
Im Vikariat gilt es zu lernen, wie Theologie praktisch wird. Das künftige Arbeitsfeld erfordert Ihre theologische Praxis. Deswegen gestalten wir Ihre Ausbildung handlungsorientiert. Den größten Teil Ihrer Ausbildung werden Sie nach der Schulphase in den klassischen gemeindlichen Handlungsfeldern der Kirche verbringen. Dort gilt es, unter der Anleitung Ihres Vikariatsanleiters oder Ihrer Vikariatsanleiterin in Ihrer pastoralen Rolle Erfahrungen zu sammeln und Lernschritte zu machen.

Auch im Predigerseminar gehört das Experimentieren und Probieren, das praktische Üben und Nachvollziehen zum ganzheitlichen Arbeitsstil. Wir schätzen uns glücklich, beispielsweise die praktische Arbeit an der liturgischen Präsenz als eines der ersten Predigerseminare in die Vikarsausbildung eingeführt zu haben.

Professionelle Aktion darf nicht mit pastoralem Aktionismus verwechselt werden. Damit Sie Aktion und Aktionismus in Ihrem späteren Berufsfeld unterscheiden lernen und pastorale Aufgaben wirksam bewältigen können, werden wir im Vikariat intensiv mit Ihnen an der Wahrnehmung von Menschen und Menschengruppen, von Zusammenhängen und Institutionen arbeiten. Sie sollen im Vikariat ausreichend Zeit haben, an der Gestaltung Ihrer Arbeit zu feilen.

 

Reflexion
Zum exemplarischen Lernen gehört für uns die ausführliche konzeptionelle Vor- und Nachbereitung und, damit die pastorale Praxis die notwendige theoretische Grundlage erhält, die Auseinandersetzung mit praktisch-theologischen Positionen der Gegenwart. Den Raum für die fachliche Reflexion bieten in erster Linie die Kurse im Predigerseminar. Ein hermeneutischer Ansatz prägt unsere "Haus-Theologie", der - wie fast alle Praktische Theologie der Gegenwart - immer auch die Humanwissenschaften zum Gespräch über Fragen der menschlichen Existenz heranzieht. Ziel des Vikariates ist es damit, der eigenen pastoralen Identität eine theologisch reflektierte Grundlage zu verleihen. Die zukünftigen Pastorinnen und Pastoren sollten mit der Welt und ihren Ereignissen in einer wachen Beziehung stehen und darin Position beziehen können.

 

Person
Lernen für das Pastorenamt läßt sich nicht auf die Einübung pastoraler Techniken, das Pfarramt nicht auf die Ausübung bestimmter pastoraler Funktionen reduzieren. Weil die Person des Pastors und der Pastorin im Beruf ihr eigenes Instrument ist, halten wir an dem anspruchsvollen Ziel fest, im Vikariat auch die ganze Person individuell in den Blick zu nehmen und zu bilden. Der wiederkehrende Wechsel von Aktion und Reflexion, die Einbindung in ein Beziehungsnetz von Ausbilderinnen, Ausbildern und Mitvikaren und -vikarinnen stellen gute Ausgangsbedingungen dafür her. Sie fordern zur Gestaltung von Arbeitsbeziehungen in Nähe und Distanz heraus. Sie stellen die eigene Kritik- und Konfliktfähigkeit auf die Probe, sie erfordern die Selbstreflexion im Blick auf die eigenen Potenziale und Grenzen. Diese Lernsituation bildet die zukünftige Arbeitssituation des Pastors/der Pastorin im Ansatz ab. Deswegen zählen soziale und kommunikative Kompetenzen ausdrücklich zu unseren Ausbildungszielen.

Wer in der Kirche unterwegs ist, lebt und arbeitet überdurchschnittlich stark in Gruppen. Das Vikariat selbst bietet mit seinen 31 Kurswochen im Predigerseminar eine intensive Langzeit-Gruppenerfahrung. Auch dies dient dem Erwerb kommunikativer und sozialer Kompetenzen.

 

Prozess
Unsere Ausbildung kreiert verschiedene Beziehungsräume und legt Wert auf die Entwicklung Ihrer persönlichen pastoralen Identität. Diese Orientierung am kommunikativen Handeln setzt voraus, dass das gemeinsame Lernen prozessorientiert gestaltet wird. Zur Wahrnehmung Ihres eigenen Lernprozesses dienen die zahlreichen Reflexionsgespräche mit dem Anleiter, der Anleiterin in der Gemeinde, der wöchentliche Austausch mit dem Regionalmentor und der Regionalgruppe - und nicht zuletzt die Gespräche mit den Studienleitern und -leiterinnen.

Die Orientierung an Ihrem eigenen Entwicklungsprozess steht zweifellos in Spannung zu den erforderlichen Prüfungsleistungen, die Sie im Laufe des Vikariats erbringen müssen. Sie steht in Spannung zu unserem Ziel, Sie in diesen zwei Jahren mit den wichtigsten pastoralen Handlungsfeldern innerhalb der Kirche wenigstens im Ansatz vertraut zu machen. Es geht also immer zugleich um die Gestaltung Ihrer eigenen Spielräume und Arbeitsprozesse innerhalb der Grenzen der institutionellen Vorgaben. Auch das ist charakteristisch für das spätere Amt des Pastors und der Pastorin.

 

Geist
Wir begreifen das Vikariat, die Ausbildung zur Pastorin und zum Pastor als ein geistliches Geschehen. Vieles, aber nicht alles liegt in diesen zwei Jahren in Ihren und unseren Händen. Wenn Sie im Glauben handeln lernen und wenn wir Ihnen Wege aufzeigen, das Evangelium von Jesus Christus weiterzusagen, dann sind wir dabei gemeinsam auf den Geist Gottes angewiesen. Soll die Einführung in den Beruf des Pastors/der Pastorin auch spirituell gelingen, brauchen wir Gottes Segen dafür. Wir haben zum Ziel, in der Gemeinschaft mit Ihnen den Kontakt zum Grund allen Glaubens festlich zu pflegen und darin um diesen Segen zu bitten. Das geschieht in den täglichen Morgenandachten und in den Gottesdiensten zu besonderen Anlässen unserer Haus- und Lebensgemeinschaft, die Sie mitgestalten werden.

Wir wollen aber auch in der Profanität unseres Ausbildungsalltags Gott die Ehre geben, in der Wahrnehmung und Reflexion der geistlichen Dimensionen unserer gemeinsamen Arbeit.

   

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aktualisiert am: 01.02.2012 | « zurück | Druckversion | nach oben^